Fast Lane: Für alle, die es eilig haben, haben wir die Grundlagen und die Werkstatt in aller Kürze zusammengefasst und mit der ausführlichen Version verlinkt. Happy fast reading!

Grundlagen/ Beteiligung

  • Bürger*innenbeteiligung ist ein Praxisbegriff für dialogorientierte, meist informelle Beteiligungsformate, die flexibel in ihrer Gestaltung sind. Öffentlichkeits-beteiligung bezeichnet rechtlich verankerte Verfahren in formellen Prozessen. [Begriffliche Abgrenzung]
  • Verfahren, die insbesondere Akzeptanz für bereits beschlossene Maßnahmen erreichen wollen, werden häufig als „Scheinbeteiligung“ bezeichnet. Transparente Kommunikation und ein klares Erwartungsmanagement wirken sich positiv auf das Vertrauen in den Beteiligungsprozess bzw. generell politische Prozesse aus. [Stichwort Scheinbeteiligung]
  • Informationsweitergabe ist zwar Bestandteil von Beteiligungsprozessen, stellt für sich genommen jedoch keine Beteiligung dar. Beteiligungsprozesse, die (Mit-)Gestaltung ermöglichen, erwirken eine höhere Akzeptanz und gemeinwohlorientierte(re) Lösungen. [Beteiligungsgrad]
  • Kommunen haben die Verantwortung, Öffentlichkeit und Unternehmen am Energiewendeprozess zu beteiligen. Bei Beteiligungen zur Energiewende geht es meistens nicht darum, „ob“ (es überhaupt Maßnahmen zur Energiewende gibt), sondern darum „wie“ (diese gestaltet werden). [Kommunen & Energiewende]
  • Wichtig in Beteiligungsverfahren ist der Aufbau einer gemeinsamen Wissensbasis. Der Austausch mit anderen kann dazu führen, dass wir unsere Überzeugungen, Werte und Annahmen hinterfragen. Damit dies möglich ist, sind Werte wie Toleranz, Empathie und Gerechtigkeit entscheidend. [Lernprozesse]

Grundlagen/ Inklusion

  • Perspektivenvielfalt kann zu besseren und ganzheitlichen Lösungen führen. Durch eine insgesamt höhere und diverse Beteiligung erhalten laute, öffentlich stark wahrgenommene Stimmen ein stärkeres „Gegengewicht“. [Warum Inklusion?]
  • Passende Lösungen entstehen durch Perspektivenvielfalt, weil lokales Alltagswissen aufgedeckt wird und sich politische Prioritäten stärker an den Bedürfnisse und Werten der Bevölkerung orientieren. [Perspektivenvielfalt]
  • Durch Aktivierung der Mitte zwischen zwei gegegensätzlichen, öffentlich stark wahrnehmbaren Positionen, kann sich das Machtverhältnis von wenigen „Lauten“ verschieben. Die vielen, in der Öffentlichkeit häufig nicht hörbaren Stimmen erhalten mehr Einfluss. [Gesellschaftliche Typen]
  • Die eigenen Privilegien zu kennen ist für eine Sensibilisierung bezüglich bestehender struktureller Ungleichheiten hilfreich. Personen, die von strukturellen Ungleichheiten in der Gesellschaft betroffen sind, erfahren weniger politische Repräsentanz. Eine gerechte Beteiligungspraxis sollte diese Ungleichheiten mitdenken und ausgleichen. [Hürden & Privilegien]
  • Durch die Entwicklung fiktiver, aber realistischer Personenbeschreibungen können wir uns vorstellen, welche Hindernisse bestimmte Personengruppen im Alltag erfahren. In einem nächsten Schritt können wir überlegen, wie wir diese Menschen gezielt ansprechen und ihnen Teilhabe ermöglichen können. [Persona-Methode]

Grundlagen/ Konflikt-Know-How

  • Konfliktsensible Beteiligung ermöglicht neue Perspektiven, eine Verfahrensakzeptanz und die Erarbeitung gemeinwohlorientierter Kompromisse. Konfliktlösungsmethoden bieten Orientierung im Umgang mit konträren Standpunkten bis hin zu Demokratieskepsis. [Konfliktsensible Beteiligung]
  • Konflikte deuten auf unterschiedliche Interessen hin. Sie gehören zum gesellschaftlichen Miteinander dazu und können Impulse für Veränderung bieten. Konstruktive Konfliktlösung kann demokratische Prozesse stärken. [Grundlagen Konflikte]
  • Konstruktiv sind Konflikte, die durch ihre Art der Austragung gegenseitiges Verständnis fördern. Destruktiv sind Konflikte, wenn die Kommunikation abbricht, Beteiligungsprozesse blockiert oder Beziehungen belastet werden. [Konstruktiv vs. Destruktiv]
  • Um zu erkennen, wann Konflikte konstruktiv oder destruktiv wirken, ist hilfreich, unterschiedliche Arten von Konflikten zu unterscheiden und zu erkennen, in welchem Zusammenhang sie zueinander stehen. Die Debatte zur Energiewende ist geprägt durch zwei verschiedene Ansätze – die sozial-ökologische Transformation auf der einen und die ökologische Modernisierung auf der anderen Seite. [Konfliktarten]
  • Polarisierung ist das Auftreten von Meinungen in zwei entgegengesetzten „Polen“. Häufig geht sie einher mit einer starken Emotionalisierung und einer geringen Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten. Dialog im Sinne des „Zuhörens um zu lernen“ kann Verständnis füreinander fördern und Lösungsfindung vorbereiten. [Polarisierung & Dialog]
  • Manchmal sind Durchführende von Beteiligungsprozessen selbst Konfliktpartei. In einem solchen Fall kann Konfliktmoderation, Mediation oder Prozessbegleitung sinnvoll sein. [Konfliktbearbeitung]

Werkstatt/ Ziele & Zielgruppen

  • Essenziell zu Beginn der Planung ist eine klare Zielsetzung. Machen Sie sich, neben der Festlegung eines übergeordnetem Ziels für den Gesamtprozess und Stufenzielen, bereits zu Beginn Gedanken zu den Ergebnissen, die Sie über die Beteiligung erreichen möchten – nicht inhaltlich, aber was möchten Sie am Ende „in den Händen halten“? [Zielformulierung]
  • Die Auswahl der Teilnehmenden sollte zu Ihren gewählten Zielen passen. Um Menschen zu erreichen, die häufig unterrepräsentiert sind, ist ratsam, mögliche Barrieren von Anfang an zentral in die Planung des Beteiligungsprozesses einzubeziehen. [Zielgruppen]
  • Nachdem Sie entschieden haben, wen Sie für Ihren Beteiligungsprozess erreichen möchten, ist hilfreich, sich der Zielgruppe gedanklich anzunähern und zu versuchen, sich mit ihrer Lebenswelt auseinanderzusetzen. Hier kann die Persona-Methode hilfreich sein. [Rekrutierung]
  • Sie kennen Ihr Ziel, Sie wissen, wen Sie erreichen möchten, Sie haben sich gedanklich mit Ihrer Zielgruppe auseinandergesetzt. Als nächstes stellt sich die Frage, wie Sie die Zielgruppe „rekrutieren“. Hier gibt es die offene Teilnahme, die gezielte Rekrutierung oder die Zufallsauswahl. [Zielgruppenanalyse]
  • Ob offen, gezielt oder per Zufall, als nächstes stellt sich die Frage, wie Sie die Zielgruppe konkret erreichen können. Hier ist besonders wichtig, dass Sie überlegen, welches Medium oder welchen Kommunikationskanal Sie verwenden und welchen Stil, welche Sprache Sie in der Ansprache wählen. [Ansprache]

Werkstatt/ Prozessgestaltung

  • Ihr Beteiligungsprozess setzt sich aus Formaten zusammen, die Sie mit unterschiedlichen Methoden gestalten. Sie können sich entscheiden, mit einer zentralen Gruppe über einen längeren Zeitpunkt zu arbeiten oder einen Formatmix zusammenzustellen, bei dem Sie individueller auf Bedarfe verschiedener Zielgruppen eingehen können. [Grundlagen]
  • Formate, die Sie wählen, bestimmen mit darüber, wie inklusiv Ihr Beteiligungsrozess wird. Überlegen Sie sich, ob Ihr Format synchron oder asynchron stattfinden soll; digital, analog oder hybrid und ob Sie die Menschen einladen oder in den Alltagsraum der Zielgruppe gehen. [Formate]
  • Nach der Wahl des Formats oder der Formate überlegen Sie, welche Methoden sich für Ihr Ziel und Ihre Zielgruppe am besten eignen. Es gibt aktive und passive Methoden; ein Spektrum von verbal bis hin zu non-verbalen Methoden und konfrontative oder kooperative Methoden. [Methoden]
  • Fragen Sie sich in Bezug auf die Inhalte, die Sie in das Format einbringen, welche für Ihre Zielgruppe besonders relevant sind – sowohl, um sich in den Prozess einzubringen als auch im Zusammenhang mit ihrer Lebenswelt. Auch ist es ratsam, Unsicherheiten in Bezug auf aktuelle Forschung mit zu kommunizieren und Grenzen spezifischer Wissensgebiete aufzuzeigen. [Inhalte]
  • Wie inklusiv Beteiligung wahrgenommen wird, ist abhängig von praktischen Faktoren, die Sie hinsichtlich Barrierefreiheit mit bedenken sowie von der Art der Atmosphäre, die Sie kreiieren. Dazu gehört auch, Räume zu schaffen, die keine Diskriminierung zulassen und Verletzung vorbeugen. [Gastgeben]
  • Ihre Haltung, mit der Sie Formate gestalten, ist entscheidend: Nehmen Sie die Teilnehmenden als Expert*innen ihrer Lebenswelt wahr und reflektieren Sie Ihre eigenen Vorurteile. Bleiben Sie offen, eigene Annahmen zu hinterfragen und von anderen zu lernen. [Haltung]

Werkstatt/ Konfliktanalyse

  • Erstellen Sie anhand eines Szenarios eine sechsstufige Konfliktanalyse. Betrachten Sie dabei die Situation aus einer möglichst sachlichen Haltung, beziehen Sie Emotionen bewusst ein und suchen Sie nachhaltige Lösungen. [Szenario]
  • Der Konfliktgegenstand beschreibt das zentrale Thema, um den sich der Konflikt dreht. Sie können sich fragen, welche Aspekte des Vorhabens besonders umstritten sind. [Konfliktgegenstand]
  • Konfliktparteien sind Akteur*innen oder Gruppen, die direkt oder indirekt beteiligt sind an dem Konflikt. Sie können sich fragen, welche Rollen sie im Beteiligungsverfahren haben und welche Ziele sie jeweils verfolgen. [Konfliktparteien]
  • Rahmenbedingungen sind die äußeren Umstände und Vorgaben, die den Konflikt beeinflussen. Sie können sich fragen, welche rechtlichen, politischen oder organisatorischen Faktoren den Konflikt beeinflussen. [Rahmenbedingungen]
  • Die Unterscheidung von Positionen, Interessen und Bedürfnissen hilft in Konflikte besser zu verstehen. Legen Sie den Fokus auf die Interessen und Bedürfnisse. Sie können sich fragen, welche tieferliegenden Bedürfnisse Positionen und Interessen zugrunde liegen. [Positionen-Bedürfnisse]
  • Wenn Ihnen bewusst ist, mit welcher Art des Konflikts Sie es zu tun haben, wird es Ihnen leichter fallen zu entscheiden, welche Maßnahme für die Konfliktbearbeitung sinnvoll sein kann. Schauen Sie sich die Konfliktarten aus den Grundlagen an und überlegen Sie, um welchen Konflikt oder welche Konflikte es sich bei dem Szenario handelt. [Konfliktart]
  • Ein Verständnis von Konfliktdynamiken und dem Eskalationsstatus in Beteiligungsprozessen hilft, Konflikte frühzeitig zu erkennen und gezielt zu steuern. Sie können sich fragen, in welcher Phase sich ein Konflikt befindet und analysieren, welche Verhaltensweisen und Kommunikationsmuster darauf hindeuten. [Konfliktdynamik]
  • Für den Umgang mit Polarisierung kann hilfreich sein, sich weniger auf die entgegengesetzten Pole zu fokussieren und stärker die Anliegen der stillen Mitte in den Blick zu nehmen. Setzen Sie stärker konkrete Anliegen in den Mittelpunkt und weniger Identitätszuschreibungen beider Pole. Vermeiden Sie, Partei zu ergreifen. [Umgang mit Polarisierung]
  • Hilfreich für die Umsetzung von „Listen-to-learn“ können Kleingruppenformate sein mit klar strukturierten Gesprächsregeln. Arbeiten Sie mit Fragen, die auf die Erlebensebene lenken und bennen Sie Grenzen klar und ruhig. Fordern Sie auch die Teilnehmenden dazu auf, dies zu tun. [Umsetzung von Dialog]

Über das Modul

Beteiligung