
Einführung
Über das Modul

Hintergrund
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist eine große gesellschaftliche Herausforderung. Statt Öl, Kohle und Gas sollen Wind, Sonne, Wasser oder Pflanzen für die Erzeugung von Wärme und Strom genutzt werden. Um „die Gesellschaft“ bei dieser großen Veränderung mitzunehmen, soll „die Öffentlichkeit“ möglichst früh in die Planung konkreter Vorhaben, wie z.B. den Bau von Windkrafträdern o.ä. eingebunden werden. Dazu gibt es Beteiligungsverfahren (mehr zum Begriff und seiner Abgrenzung unter Grundlagen/ Beteiligung).
Zentrale Herausforderungen für Beteiligung sind die
- homogene Partizipationskultur: An Beteiligungsformaten wirken häufig bereits politisch oder sozial engagierte Zielgruppen mit. Überrepräsentiert sind Menschen mit hohen formalen Bildungsabschlüssen, Erwerbstätige und einkommensstärkere Gruppen, Menschen ab 50 Jahren, männliche Personen, weiße Menschen (mehr unter Grundlagen/ Inklusion).
- Komplexität von Planungsverfahren: Die Kombination aus einem hohen Maß an Fachwissen und den rechtlichen Rahmenbedingungen schafft Raum für Unsicherheit und Misstrauen gegenüber der Ernsthaftigkeit von Beteiligung. Das führt zu Konflikten, in denen um die Einflussmöglichkeiten auf Entscheidungen und den „Wert“ von Beteiligung gestritten wird.
An diesen Herausforderung setzt BETEILIGT an: Es richtet sich an Personen, die Beteiligungsformate planen, zum Beispiel Mitarbeitende in kommunalen Behörden.
Das Modul BETEILGT ist entstanden im Rahmen Wissenschaftsjahrs Zukunftsenergie 2025, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Technik und Raumfahrt. Dadurch bezieht BETEILIGT sich auf Beteiligungsverfahren im Rahmen der kommunalen Energiewende. Viele Erkenntnisse sind aber auch für Beteiligungsverfahren insgesamt, sei es zur Stadtentwicklung o.ä., relevant.
BETEILIGT wurde von der Konfliktakademie der Universität Bielefeld erarbeitet. Die ConflictA ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) gefördertes Projekt. Sie existiert seit Mitte 2023 und ist angesiedelt am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG).
Konfliktforschung & Energiewende
Die Umsetzung der Energiewende führt auch zu Konflikten in der Gesellschaft – insbesondere im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen, politischen Entscheidungen und gesellschaftlicher Akzeptanz. Sie ist also keine rein technologische Veränderung, sondern Teil eines gesamtgesellschaftlichen Wandels. Daher ist transdisziplinäres Wissen hier von großer Bedeutung — naturwissenschaftlich-technisches Wissen, Wissen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, aber auch Erfahrungswissen aus der Bevölkerung und unterschiedlichen Praxisfeldern.
In BETEILGT ist bestehendes Wissen aus der ConflictA eingeflossen, ergänzt um weiterführende Recherche und Perspektiven von Expert*innen, mit denen wir innerhalb des WissKON-Projekts kooperiert haben.
BETEILGT wird kein „Wundermittel“ zur Lösung aller Konflikte rund um die Vorhaben der Energiewende sein. Unser Ziel ist, einen Überblick in eine inklusive und konfliktsensible Gestaltung von Beteiligungsprozessen zur Energiewende zu bieten. Wir möchten all die gut aufbereiteten Wissensbestände nicht kopieren oder wiederholen, sondern einen Mehrwert schaffen für alle, die sich einen Überblick verschaffen, und Anstöße für die eigene Ideenentwicklung erhalten möchten.
How to Use? Wie arbeiten Sie mit diesem Modul
Für wen ist BETEILIGT?
Dieses Modul richtet sich an Mitarbeitende in Kommunalverwaltungen, die Energiewende-Projekte umsetzen, Vorhabenträger*innen und Planungsbüros sowie Prozessbegleiter*innen. Sie müssen keine Vorkenntnisse in Beteiligungsprozessen mitbringen – BETEILIGT begleitet Sie Schritt für Schritt.
Wie nutzen Sie BETEILIGT?
Sie können das Modul auf drei Arten nutzen:
- Systematisch durcharbeiten: Sie sind neu im Thema Bürger*innenbeteiligung oder möchten sich umfassend vorbereiten? Arbeiten Sie sich von den Grundlagen zur Werkstatt vor. Geschätzte Lesezeit: 2-3 Stunden.
- Bedarfsorientiert nachschlagen: Sie stehen vor einer konkreten Aufgabe oder Herausforderung? Springen Sie direkt zu dem Kapitel, das Sie gerade brauchen – etwa Zielgruppen definieren, Formate auswählen oder Konflikte analysieren.
- Von der Kurzzusammenfassung ins Detail gehen: Sie sind sich noch nicht sicher, welche Inhalte für Sie besonders relevant sein könnten und haben nicht so viel Zeit, das Modul systematisch durchzuarbeiten. Unter „Das Modul in Kürze“ haben wir die wichtigsten Punkte aus den Grundlagen zusammengefasst. Es kann zum Einstieg dienen, um sich von dort aus zu orientieren, in welche Themen Sie tiefer einsteigen möchten.
Aufbau und Lernziele
BETEILIGT besteht aus zwei Teilen:
Teil 1: Grundlagen
vermittelt Basiswissen zu Beteiligung, Energiewende, Inklusion und Konflikten.
Sie lernen…
…unterschiedliche Perspektiven von und auf Beteiligung wiederzugeben.
…wie eigenes Handeln oder vorhandene Strukturen Barrieren für andere Menschen verursachen.
…Ansätze einer Konfliktanalyse, mittels derer Sie Konfliktdynamiken frühzeitig erkennen und fallspezifisch präventiv entgegenwirken können.
…Merkmale von Polarisierung zu erkennen.
Teil 2: Werkstatt
leitet Sie Schritt für Schritt durch die Konzeption eines inklusiven Beteiligungsprozesses und die Analyse von Konflikten.
Sie lernen…
…marginalisierte und oft übersehene Zielgruppen aktiv und zielorientiert zu berücksichtigen.
…unterschiedliche Zielgruppen passend anzusprechen und in Beteiligungsprozesse zu involvieren.
…Ihre eigene Rolle im Konflikt zu reflektieren, mit aufkommenden Konflikten konstruktiv und ressourcenschonend umzugehen.
…polarisierten Standpunkten und Argumenten mit mehr Offenheit zu begegnen – über ein neues Verständnis von Dialog.
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